Zusammenfassung der Diskussion über "Ein einfaches Leben" (Pachinko) von Min Jin Lee
Allgemeine Eindrücke und Bewertungen
Positive Aspekte:
·
Das Buch lässt sich
gut und schnell lesen, obwohl es ein dicker Roman ist
·
Es bietet einen hervorragenden
Einstieg in die koreanisch-japanische Geschichte
·
Die Familiengeschichte
als Erzählrahmen funktioniert gut
·
Es ist international
sehr beliebt mit hohen Verkaufsauflagen
Kritische Aspekte:
·
Das letzte Viertel bis
Fünftel des Buches flacht ab
·
Die vielen Namen
(Kinder, Enkelkinder) sind schwer auseinanderzuhalten
·
Sprachlich fällt der
letzte Teil ab - wirkt mehr wie ein Bericht, nicht mehr wie ein Roman
·
Es fehlen historische
Eckpunkte (wie der Zweite Weltkrieg, die Atombombe von Hiroshima)
·
Eine Teilnehmerin gab
6 von 10 Punkten, da ihr die Geschichte nicht dramatisch genug war
Titel und Übersetzung
Kritik am deutschen Titel:
·
Der Originaltitel
"Pachinko" wurde beibehalten, die deutsche Übersetzung heißt aber
"Ein einfaches Leben"
·
Der Titel "Ein
einfaches Leben" trifft nicht zu - das Leben der Protagonistin war alles
andere als einfach (kompliziert und schwer)
·
Die Übersetzung wirkt
etwas langweilig im Vergleich
Die Protagonistin Sunja und ihr Leben
Interpretation von "einfaches Leben":
·
Die deutsche
Übersetzung "einfaches Leben" ist irreführend. Sunja hatte ein
schweres, kompliziertes Leben
·
Sie hatte jedoch
Glück: Sie hatte Hansu, der ihr half, und Isaac, den Pastor, der sie rettete
·
Sie hatte zwei Männer,
die sie liebten
Vergleich mit "Vom Winde verweht":
·
Parallelen zu Scarlett
O'Hara: Sunja liebt Hansu, obwohl er schon vergeben ist
·
Sie hält verzweifelt
an ihrer Moral fest, obwohl sie sie einmal gebrochen hat
·
Hansu wird mit Red
Butler assoziiert - taucht immer auf, wenn Sunja gerettet werden muss
Diskriminierung und Identität
Die Situation der Koreaner in Japan:
·
Die Familie lebte
isoliert in einem Ghetto (Viertel) und wurde diskriminiert
·
Die erste Generation
wurde anfangs nicht diskriminiert, weil sie unter sich war
·
Die zweite Generation
hatte es schwerer - sie mussten sich verstecken und wurden stigmatisiert
·
Die Diskriminierung
wurde mit der Zeit drastischer
Vergleich mit Deutschland:
·
Ähnlichkeiten mit
"Deutschtürken"
·
Religiöse Unterschiede
verstärken das Gefühl der Andersartigkeit
Der Selbstmord des ältesten Sohnes:
·
Er war hochbegabt,
aber entdeckte, dass er kein Japaner war
·
Er wurde transferiert
und dadurch "enttarnt"
·
Der Selbstmord wurde
als drastisch empfunden - die Frage wurde gestellt, warum er sich gleich
erschießt
·
japanischer Kultur
(Harakiri, Kamikaze)
·
Er wollte ein totales
Japanerleben haben - als das unmöglich wurde, ergab das Leben keinen Sinn mehr
·
Er wollte seine
Identität als Japaner nicht aufgeben
Die verschiedenen Generationen
Unterschiedliche Probleme:
·
Die Probleme
unterscheiden sich: Die erste Generation ging freiwillig nach Japan, um ein
besseres Leben zu haben
·
Die jüngere Generation
hatte stärkere Probleme mit Diskriminierung
Vier Generationen:
·
Die Geschichte
umspannt mehrere Generationen (1910 bis 1980er Jahre)
·
Der rote Faden ist die
Frage: Wie positioniere ich mich in Japan? Wie gehe ich mit meiner koreanischen
Identität um?
·
Die Mutter von Sunja
wird als hart dargestellt - sie sagt, Sunja hätte ihr Leben zerstört
Historischer Kontext
Korea unter japanischer Herrschaft:
·
1910 wurde Korea von
Japan annektiert
·
Die Japaner waren als
Kolonialmacht präsent
·
Die Koreaner wurden
unterdrückt
·
Die Geschichte wird
aus der Perspektive der "kleinen Leute" erzählt
Interpretation des ersten Satzes:
·
"Die Geschichte
hat uns im Stich gelassen, aber was macht das schon."
·
Wird unterschiedlich
interpretiert:
o Als Weltgeschichte, die nicht läuft, wie man es sich wünscht
o Als konkrete Geschichte der Koreaner: Sie wollten anders leben,
aber die Japaner kamen
o Geschichte als großes politisches Geschehen, das wenig mit dem
Individuum zu tun hat
Vergleiche mit anderen historischen Situationen:
·
Südtirol:
Unterdrückung der deutschen Sprache unter italienischer Herrschaft
·
Preußen: Unterdrückung
der deutschen Sprache durch Russen und Polen
Pachinko als Symbol
·
Pachinko wird als
Symbol für das Leben der Koreaner in Japan gesehen
·
Es zeigt, wie sie sich
durchschlagen mussten

Kommentare
Kommentar veröffentlichen